Dem Blended Learning gehört die Zukunft

Britta Kroker, Gründerin der Pink University im Gespräch mit Learn Now über neue Lernformate wie Blended Learning.

Britta Kroker blended learningDas Lernen wird revolutioniert. Mit diesem Anspruch machten vor ungefähr zehn Jahren die ersten Lernplattformen von sich reden.

Doch wie sieht die Situation heute aus? Was hat sich insbesondere im Bereich der betrieblichen Weiterbildung verändert? Und wohin wird die Entwicklung gehen?

Diese Fragen haben wir Britta Kroker gestellt, die mit der Pink University ein Weiterbildungsunternehmen auf die Beine gestellt hat, das heute zu den Qualitätsführern im Bereich des Online-Learnings und Videolearnings zählt.

Learn Now: Britta, zunächst einmal eine grundsätzliche Frage: Wie kamst du auf die Idee, mit der Pink University auf Videolearning zu setzen?

Britta Kroker: Das hängt mit meiner beruflichen Laufbahn zusammen. Ich war über zehn Jahre bei einem klassischen Buchverlag, dem Campus Verlag tätig. Als Programmgeschäftsführerin gehörte es zu meinen Aufgaben, die Marktentwicklungen zu beobachten. In dieser Funktion absolvierte ich, es war Mitte der 90er Jahre, einen Sommerkurs an der Stanford University. Das war mitten im Silicon Valley, aber den Begriff kannte damals keiner. Für mich war es ein Schlüsselerlebnis. Ich erinnere mich genau daran, wie wir uns in der Gruppe über das Vortragsprogramm aufgeregt hatten. Man muss dazu wissen, dass der Kurs nicht gerade günstig war und wir deshalb erstklassige Referenten erwarteten. Nicht irgendwelche Chefs von unbedeutenden Unternehmen. Als dann aber der Chef einer kleinen Buchhandlung, die ihre Bücher übers Internet verkaufte, zu sprechen anfing, wurde mir und uns allen klar, dass wir am Beginn grundlegender Umwälzungen standen. Es war Jeff Bezos vom Onlinebuchhändler Amazon. Auf Bücher, so sagte er, habe er sich nur konzentriert, weil sie gut zu lagern, zu verpacken und zu verschicken seien. Es hätten, so er weiter, genauso gut Schrauben sein können. Für uns Buchmenschen war es ein Affront. Aber wir wussten, mit dem ist nicht zu scherzen.

Learn Now: Welche Schlüsse hast du aus diesem Treffen gezogen.

Britta Kroker: Zurück in Deutschland war mir klar, dass auf die Buchbranche erhebliche Veränderungen zukommen würden. Ich versuchte dann, im Verlag die Aufmerksamkeit für „das Internet“ zu schärfen. Es war eine Zeit, in der E-Mails noch eine Besonderheit waren. Dementsprechend schwach fiel die Resonanz aus. Dennoch gab es Ergebnisse. Mit der „Campus Management Bibliothek“ brachten wir als einer der ersten Verlage ein voll digitales Produkt heraus. Natürlich textbasiert und auf CD, die Bandbreiten reichten gerademal für SMS. Der Verkauf lief klassisch über den Buchhandel. Meine Vision eines zukunftsfähigen Verlags mit multimedialen Produkten und neuen Vertriebskanälen konnte ich allerdings nicht umsetzen. Im Zuge von 9/11 war an Expansion nicht mehr zu denken, an „Experimente“ schon gar nicht. Von einem Tag auf den anderen brach das Segment Wirtschaftsliteratur und Börsenratgeber weg, mit dem wir einen Großteil des Umsatzes gemacht hatten.

Learn Now: Wie seid ihr mit dem Umsatzrückgang umgegangen, welche Antworten hattest du auf die Krise?

Britta Kroker: Unsere verlegerische Antwort war es, Bücher zu entwickeln, die Antworten auf die Fragen der Zeit lieferten. Kein Mensch wollte mehr Börsenratschläge, alles war allen viel zu unübersichtlich und verworren. In diese Zeit hinein platzierten wir mit „Simplify Your Life“ eines der in Folge meistverkauften Bücher der deutschen Verlagsgeschichte.

Learn Now: Du bist also beim klassischen Verlegen geblieben?

Britta Kroker: Ja, noch eine Zeit lang. Aber es war mir klar, dass es so nicht weitergehen würde. Mehr noch als das Wachstum von Amazon ließ die Konzentration im Buchhandel alle Warnlampen leuchten. Der Prozess, der in der Lebensmittelindustrie in den 70er und 80er Jahren stattgefunden hatte überrollte die Buchbranche. Plötzlich war man als Verleger nicht mehr der Mittelpunkt der Buchwelt und des intellektuellen Deutschland. Man war Bittsteller bei den Einkäufern der Buchhandlungsketten. Und Amazon sollte diesem Prozess dann die Krone aufsetzen. Ich wusste, dass die Antwort auf diese Entwicklungen nicht darin bestehen konnte, E-Books zu entwickeln. Obwohl ich heute sagen muss, dass die Buchbranche wesentlich robuster ist, als ich damals dachte. Aber ich fühlte mich definitiv nicht wohl dabei, die Digitalisierung der Welt aus dem beheizten Buchlektorat heraus zu betrachten. Zumal es heftig knirschte im Gebälk.

Learn Now: War das der Ausschlag für die Gründung der Pink University?

Britta Kroker: Mit kleinen Umwegen, ja. Ich gründete zuerst die Online-Buchhandlung Managementbuch.de und einige Online-Rezensionsmagazine. Für den großen Schritt, eigene multimediale Produkte herzustellen, brauchte ich einen Partner. Und den fand ich im Hamburger Verleger Dr. Sven Murmann. Er teilt meine Leidenschaft für gute Produkte und meine Neugier auf neue Märkte. Gemeinsam gründeten wir 2011 die Pink University. Noch bevor in den USA Plattformen wie EdX, Coursera oder Udacity an den Start gingen.

Learn Now: Gingen die Pläne auf?

Britta Kroker: Klares Jein. Unser erster Ansatz war es, Buchautoren zu akquirieren und sie vor die Kamera zu holen. Anstatt zu lesen, was die Autoren zu sagen haben, konnte man sie jetzt sehen und ihnen zuhören. Wir haben in der Pink University ein extra Verfahren entwickelt, um die Inhalte zu strukturieren und zu verdichten und fingen auch schon sehr früh an, die Filme in der Postproduktion durch Grafiken und Einblendungen anzureichern. Allerdings waren die Kunden nicht wirklich wild darauf, Buchautoren beim Sprechen zuzuschauen. Das funktioniert zwar beim Format TED, aber diese Zuspitzung war nicht unser Ziel. Wir wollten mehr in die Tiefe gehen, während die TED Talks eher das Format „Impulsvortrag“ besetzen. Wir haben aber gesehen, dass „Video“ ein mächtiges Tool ist, um Inhalte an den Mann und an die Frau zu bringen, wenn man es nur richtig einsetzt.

Learn Now: Was können wir uns darunter vorstellen?

Britta Kroker: Heute trennen wir ganz klar. Fachautoren erstellen die Inhalte. Präsentiert werden sie von professionellen Moderatoren. Außerdem sind interaktive Elemente und Erklärvideos fester Bestandteil unserer Videotrainings. Wir haben ein völlig neues Format entwickelt, das den Teilnehmern die selbstgesteuerte oder sogar die selbstorganisierte Kompetenzentwicklung ermöglicht. Für dieses Format haben wir, und darauf sind wir sehr stolz, die höchste europäische Auszeichnung erhalten, die Comenius Edu Media Medaille. Natürlich ist die Herstellung dieser Online Kompetenztrainings, wie wir sie in der Pink University machen, sehr aufwändig. Wir arbeiten mit ausgebildeten Schauspielern, mit professionellen Autoren, professionellen Filmteams, mit Didaktikern und mit Instructional Designern. Das ist auch der Grund, warum wir nicht mehr im Endkundengeschäft tätig sind, sondern ausschließlich direkt an Unternehmen liefern. Die können unsere Trainings einfach in ihre Lernmanagementsysteme integrieren.

Learn Now: Du sagst, ihr produziert bei der Pink University sehr aufwändig. Geht es heute nicht gerade darum, dass jeder mit seinem Smartphone Videos drehen kann?

Britta Kroker: Ja das stimmt. Aber wie eine Schreibmaschine noch keinen Hemingway macht, so macht eine Handykamera noch keinen Didaktiker. Smartphonevideos können in der betrieblichen Weiterbildung sicher eine Rolle spielen. Wenn es darum geht, How-to-Sequenzen aufzuzeichnen oder Bedienungsanleitungen zu erstellen. Wir sind aber im Bereich des Trainings unterwegs, und wie Präsenztrainer besondere Qualifikationen brauchen, so ist es auch beim Erstellen von Online Trainings.

Learn Now: Was bedeutet das aus deiner Sicht für die Präsenztrainer?

Britta Kroker: Anfangs ging es immer wieder darum, Präsenz gegen online auszuspielen. Das führt aber in die völlig falsche Richtung. Die vielen sogenannten MOOCs, also die Massiv Open Online Courses haben ja vor allem gezeigt, dass sie „massive“ Abbrecherraten haben. Wer Mitarbeiter mit Onlinekursen allein lässt, wird nur in den seltensten Fällen gute Ergebnisse erzielen. Die Arbeitszeit ist heute für Mitarbeiter aller Branchen und Hierarchiestufen dermaßen verdichtet, dass sich kaum einer freiwillig ins Intranet oder Internet begibt, um zu lernen. Und wer sich in der U-Bahn und im Zug umschaut, wird nur wenige Leute entdecken, die „lernen“. Entweder die Leute arbeiten, oder sie schauen Filme. In diesem Zusammenhang wird sich auch zeigen, ob der aktuelle Hype um „Mircolearning“ ein Hype bleibt oder ob tatsächlich eine Entwicklung dahinter steckt. Zielgerichtetes Lernen wird vermutlich immer eine sehr gute Struktur brauchen.

Learn Now: Klassisches Training wird es also weithin geben?

Britta Kroker: Nicht in der Form, in der wir es heute kennen. Die Wissensvermittlung wird immer mehr online stattfinden. Das Einüben dann in Präsenzformaten. Wobei „Präsenz“ auch online abgebildet werden kann. Online-Meetings, Online-Feedback, Online Übungen. Die Trainer werden in diesem Zuge befreit davon, Informationen weiterzugeben. Sie können sich konzentrieren auf das, war „trainieren“ wirklich ausmacht. Dazu kommen neue Aufgaben. Wir brauchen künftig Community Manager, Lernbegleiter, Online-Coaches, Inhalte-Kuratoren und 24/7 Betreuung. Online und Präsenz fließen also immer mehr ineinander. Es geht auch nicht mehr um das „Vorlernen“ mit E-Learnings, um in „der Präsenz“ Wissen abfragen zu können. Diese Zeiten sind vorbei. Heute sind E-Learnings dazu da, Reflexionsprozesse anzuregen. Und diese Reflexionsprozesse werden dann in synchronen Formaten, egal ob online oder in Präsenz, vertieft und bearbeitet.

Learn Now: Das hört sich ganz nach Blended Learning an.

Britta Kroker: Ja, es ist auch Blended Learning. Und zwar in der der Form, dass die Lerner eine individuelle Learning Journey erhalten. Mit wirklich guter persönliche Betreuung und mit Online Lernressourcen, die ihnen das Lernen so leicht wie möglich machen. Deshalb achten wir bei der Pink University so sehr auf didaktische Qualität die ja immer auch eine inhaltliche Qualität ist. Je besser die Online-Inhalte, sind, desto mehr können sich Trainer auf das trainieren konzentrieren. Das ist übrigens auch der Grund, warum wir mit Pawlik jetzt einen Gesellschafter an Bord geholt haben, der aus dem klassischen Training kommt. Derzeit bilden wir über 200 Trainer zu Blended-Learning Trainern aus. Damit schaffen wir eine völlig neue Qualität in der betrieblichen Weiterbildung.

Über Britta Kroker:

Britta Kroker ist geschäftsführende Gesellschafterin der Pink University. Pink University ist spezialisiert auf die Herstellung videobasierter Online-Trainings für die betriebliche Weiterbildung. Pink University bietet sowohl Standard Content in den Bereichen Kommunikation, Führung, Soft Skills und Vertrieb als auch maßgeschneiderte Individualproduktionen im Kundenauftrag. Als Pionier des Videolearnings erhielt das Unternehmen bereits mehrere internationale Auszeichnungen. Zu den Kunden gehören viele DAX Unternehmen und große mittelständische Unternehmen.

Über Learn Now:

Learn Now testet regelmäßig neue Online-Kurse. Dabei nimmt das erfahrene Expertenteam Kriterien wie die die Qualität der Dozenten und Lehrmaterialien unter die Lupe.

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